LAS VEGAS
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Neun Tage im November
(von Martin Hiddemann)
 

Hallo, und ein herzliches Willkommen zu meinem Reisebericht über 9 Tage Las Vegas:

Sicherlich ist hier nicht alles und für jeden von Interesse, aber vielleicht kann ja der eine oder andere ein paar Anregungen für sich gewinnen...

Nachdem wir (meine Frau und ich) vor 1 ½ Jahren das erste Mal in Las Vegas weilten, wussten wir beide: „Hierher kommen wir noch mal zurück!“ Dass das allerdings so bald sein würde, hatten wir damals nicht im geringsten geahnt. Nun gut! Bereits im Februar drängelte und quengelte ich, und alsbald hatte ich schließlich das OK. meiner lieben Ehefrau in der Tasche - einem Neun-Tage-Trip im November nach L.V. stand nichts mehr im Weg: Die Flüge waren fix gebucht, Düsseldorf - Washington - Las Vegas mit United Airlines schlugen für uns zwei mit Euro 1151,- zu Buche.
Die Auswahl des Hotels war ein bisschen komplizierter: Sollte das Portemonnaie oder das Herz über unsere Unterkunft entscheiden? Zunächst fiel die Wahl auf das Tropicana (Portemonnaie!). Letztendlich wurde unser Trip zu einem „Hotel-Hopping“, aber dazu später mehr.

Donnerstag, den 20.11. hoben wir um 12 Uhr etwas vom Düsseldorfer Flughafen ab, um knapp acht Stunden später in Washington zu landen, wo wir erstens einreisen und zweitens umsteigen durften.
Die Immigration war unkompliziert, die Zollabfertigung, zwar durften meine Frau und ich den Inhalt von Koffer und Reisetasche dem Zollbeamten vorführen, auch. Freundlich wurde ich darauf hingewiesen, dass Schokolade auch in den USA sehr wohl zu den Lebensmitteln zählt und ich in Zukunft die entsprechende Frage auf dem Zolldokument mit ja zu beantworten hätte.
Während des zweistündigen Aufenthaltes in Washington wurde ich wieder daran erinnert, dass die USA auch trotz gestiegenen Eurokurses kein Billigland sind. Für ein Bier und ein Mineralwasser wurden in einem Flughafenlokal ca. 10,-$ (incl. Tax) berechnet, was zu einer Zahlung von 12,-$ führte.
Klar, den Tip darf man nicht vergessen. Für diejenigen, die es noch nicht wissen: Üblich sind „Tips“ zwischen 15% und 20% der Rechnungssumme v o r  Steuern. Wer weniger gibt („Die sehen mich ja hier eh nicht mehr!“), begeht im weitesten Sinne Betrug!!!
Der Anschlussflug verlief genauso ruhig wie der erste, und pünktlich um 19.20 Uhr Ortszeit landeten wir auf dem McCarren Airport.
Für die ersten drei Nächte hatten wir uns für das Flamingo entschieden: Im Internet: $55, $75, $75, für die einzelnen Nächte, jeweils zuzügl. 9% room-tax.
Das Flamingo bietet, wie einige andere Hotels auch, die Möglichkeit am Flughafen einzuchecken. Eine praktische Sache, die man erledigen kann, während das Gepäck zu den Förderbändern transportiert wird. Mit dem Airport-Shuttle (Roundtrip= Hin- und Rückfahrt kostet $7,50/Person) waren wir zügig am Hotel angekommen ($ 2 Tip für den Shuttle-Fahrer) und übergaben unser Gepäck einem Pagen. Unser Zimmer im 23.Stock - mit Pool-Blick - war schnell gefunden, unser Gepäck wurde ebenfalls zügig gebracht ($3 Tip), und nach einer erfrischenden Dusche ging es auch bereits los.

Im Vorjahr hatten wir im Circus Circus gewohnt. Warum das Flamingo einen Stern mehr hat, konnten wir am Zimmer nicht ausmachen. Zwar war es sauber, aber kleiner als das im Circus Circus. Auch das Badezimmer war nicht der Brüller (Badewanne mit Duschvorhang).
Beim ersten Gang durch das Flamingo haben wir allerdings schnell festgestellt, dass es durchaus seinen Charme hat; beschreiben warum, kann ich allerdings nicht!?! Auch die sehr zentrale Lage am Strip ist schon ein dickes Plus.
Raus aus dem Hotel, zum Bellagio rüber geschaut, vor dem gerade die Wasserspiele begannen und Celine Dion’s „My heart will go on“ aus den Lautsprechern tönte. Der erste Gänsehauteffekt war bereits eingetreten.
Weiter zum Paris, wo wir dem Player’s Club beigetreten sind. Das ist kostenlos, und mit dieser Karte kann man, vorausgesetzt, man spielt genug, enorme Vergünstigungen erhalten. Angefangen bei kostenlosen Mahlzeiten über freie Zimmer und Einladungen zu Shows bis hin zu Freiflügen. Leider kenne ich diese „Comps“ nur vom Hörensagen. Nützlich sind diese Karten aber auf jeden Fall auch für den normalen Gast oder Spieler, denn man erhält in bestimmten Läden und Restaurants an bestimmten Tagen zu bestimmten Zeiten einen Discount von 10% .
Inzwischen hatten wir wieder einen Magen, den es zu füllen galt. Im Cafe St. Louis im Paris wird nach 23.00 Uhr ein „Special“ angeboten: ein New York Steak (Rumpsteak) mit Gemüsebeilage (sehr „al dente“!!!) und Folienkartoffel für $ 6.95. Drei leckere Sierra Nevada Ale rundeten die Sache ab, und so hatten wir für relativ kleines Geld ein feines Essen genossen und machten uns gestärkt, aber müde, auf den Heinweg ins Flamingo.
In den Lieblingsautomaten meiner Gattin ( I dream of Jeannie) noch schnell 10 $ gesteckt, nach einer halben Stunde 30 $ rausgeholt, so konnte es weitergehen. Allerdings nicht mehr heute, denn inzwischen waren wir mehr als reif für die Matratzen. Gute Nacht, Las Vegas!!!
 


 

Zweiter Tag
22.11.2002


Nach köstlichen Stunden erholsamen Schlafes hieß es dann irgendwann morgens, sich dem Jetlag zu stellen und irgendwo zu frühstücken. Während mein Goldstück noch mit diversen Schminkarbeiten beschäftigt war, schaute ich mir bereits das „Wildlife Habitat“ an. Ich bin zwar kein Zoologe, doch machten die Flamingos und Pinguine auf mich einen durchaus normalen Eindruck.
Ebenso positiv fand ich den Poolbereich, den zu nutzen wir später noch Gelegenheit haben sollten.
Ein freundlicher Nickelautomat spuckte 30 $ mehr aus als er bekommen hatte, so dass die Laune nicht besser hätte sein können. Wenn ich im weiteren Verlauf des Berichtes kaum mehr von Spielerfolgen berichte, hat es einen ganz einfachen Grund: Es gab so gut wie keine Gewinne mehr, die man vermelden könnte!
Um den Kulturschock bezüglich der Nahrungsaufnahme nicht all zu groß werden zu lassen, begaben wir uns dann Richtung Venetian, wo wir im Tintoretto ein ordentliches, europäisch angehauchtes Frühstück eingenommen haben (Zwei Kaffee, ein Bagel mit Käse, zwei gefüllte Croissants und ein Fruchtsalat > $ 26,50 incl. Tip).

Danach wurden die „Grand Canal Shoppes“ bewundert (von uns beiden!), und im Casino natürlich die Cocktail-Waitresses (von mir!). Ich glaube, dass Venetian hat wirklich die attraktivsten Girls am ganzen Strip!
In diesem Jahr waren auch die vor dem Hotel liegenden Kanäle mit Wasser gefüllt, und die Gondolieri hatten bei dem phantastischen Wetter ( 22° C, wolkenloser Himmel, Sonne pur) entsprechend viel zu tun. Singen haben wir auf dem Wasser allerdings niemanden gehört, im Gegensatz zum Casino, wo wir zuvor noch die Nachfahren Enrico Carusos genießen durften.
Nachmittags wurde dann Siesta am Pool des Flamingo gehalten, bevor es dann gegen 17.00 Uhr zum Lunchbuffet ins Paris ging. Die Zeiten der Buffets sind in den meisten Hotels fließend, d.h., wer gegen Ende des Lunch seinen Obolus entrichtet, zahlt zwar nur den günstigeren Preis, kommt aber in den Genuss des meist etwas höherwertigen Dinerbuffets.
Wer nicht vergesslich ist, präsentiert an der Kasse seine Player’s Card und bekommt seine 10% Discount. „Kluge“ Leute wie ich denken natürlich zu spät daran und bezahlen den vollen Preis!
Das Buffet des Paris ist sicherlich eines der besten in L.V., aber auch dementsprechend gut besucht, so dass man zu Stoßzeiten mit langen Wartezeiten rechnen muss. Die Qualität entschädigt aber fürs Warten!
Auf die einzelnen Speisen möchte ich nicht eingehen, wohl aber auf das Essverhalten unserer amerikanischen Freunde: Offensichtlich gehört es zur Erziehung, eine gewisse Fertigkeit im „Hochstapeln“ zu erzielen. So viele kunstvoll befüllte Teller wie in Amerika habe ich bislang noch nirgendwo anders gesehen. Zudem ist die Zusammensetzung der individuellen Teller durchaus als kreativ zu bezeichnen: Prime Rib mit Fruchtjoghurt oder Lachs neben Bananenkuchen sind nicht die Ausnahme. Außerdem sind kleine Mengen offensichtlich verpönt. Warum sollte man denn mehrmals zum Buffet gehen, wenn der Teller Platz genug für alles lässt? Auch unbekannte Speisen werden nicht erst probiert, sondern in großen Mengen genommen. Zurückgehen lassen kann man immer noch, was einem nicht schmeckt! Na ja, vielleicht sehe ich es auch einfach nur aus meiner europäischen Brille und bin selbst unhöflich, wenn ich 5 mal zum Buffet gehe und mit kleinen Portionen auf dem Teller zufrieden bin.
Nach getaner „Arbeit“ – Essen kann wirklich anstrengend sein – sind wir gegen 20.00 Uhr zurück aufs Zimmer, um ein „Stündchen“ auszuruhen. Gegen 02.00 Uhr (!) am nächsten Morgen waren wir dann wieder hellwach!

Dritter Tag
23.11.02


Zuerst war die Devise: Umdrehen und weiter schlafen! Nach einigen erfolglosen Versuchen haben wir uns dann aber doch entschlossen aufzustehen. Das Flamingo sah morgens um 02.30 Uhr nicht anders aus als am Vorabend. Überall wurde gezockt, gejubelt, offensichtlich etwas, was für Craps-Spieler (Ein Spiel, was sich mir völlig verschließt!) unbedingt dazu gehört, und natürlich überwiegend verloren.
Es ist für mich als „Lutscher“ immer wieder faszinierend zu sehen, dass irgendwelche Hausfrauen ( Ich möchte mich bereits jetzt bei allen weiblichen Lesern für diese Beschreibung entschuldigen, sie ist nicht böse gemeint!) mittleren Alters einen guten dreistelligen Dollarbetrag auf ihren Slots haben, aber diesen in aller Seelenruhe mit wenigen, aber geübten Zeigefingerbewegungen zielsicher wieder auf Null bringen, und das, ohne auch nur eine Miene zu verziehen!
Nachdem wir an „Bugsy’s Bar“ unseren 2-4-1 Gutschein für Cocktails eingelöst haben, sind wir dann am Barbary Coast vorbei zum Bally’s marschiert, und haben uns um den dort ausgelobten Jaguar zu kümmern versucht. Ob der heute noch da steht, weiß ich nicht. Zumindest brauchten wir uns nicht um die Zollformalitäten zu kümmern, was ja auch sein gutes hat.
Für das Bally’s hatten wir auch noch einen Gutschein: Diesmal gab es zwei Biere zum Preis von einem.
(Zum Thema Gutscheine sollte ich vielleicht etwas erklären: Das Caesars Palace, Flamingo, Bally’s, Paris und Hilton sind die Hotels in L.V., die zur Park Place Gruppe gehören. Beim Check-In am Flughafen gab es zusammen mit den anderen Unterlagen ein Couponheft, das für die verschiedenen Hotels diverse Gutscheine beinhaltet, und zwar für die Bereiche Essen, Trinken, Shoppen und Zocken.)
Unser anschließender Versuch, mit der Monorail zum MGM zu gelangen, scheiterte an der späten Stunde. Auf der Strecke ist nämlich nach 01.00 Uhr Schluß mit lustig. Inzwischen war es bereits kurz nach vier, und so sind wir zurück in unsere Herberge, um der Nachtruhe zweiter Teil einzuläuten.
Da wir vom Paris-Buffet so begeistert waren, haben wir das Frühstück auch dort eingenommen. Dass die Pariser ihre Küche wirklich wieder erkennen, wage ich schwer zu bezweifeln, aber das ist auch gar nicht so sehr der gewünschte Effekt. Der amerikanische Gast, und nur der ist die Zielgruppe, muß glauben, dass das, was er in den europäisch orientierten Themenhotels (Paris, Venetian, Bellagio) vorfindet, der Realität entsprechen könnte.
Egal, Frau und ich haben uns sauwohl gefühlt, uns an Lachs, Shrimps, gefüllten Croissants, Omelettes made to order, Fruchtsalaten usw. gelabt, und bewundernd festgestellt, dass der amerikanische Kaffee mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet werden sollte: Zu Herzinfarkten führt er garantiert nicht!

Nach dem Frühstück haben wir um das Aladdin gekümmert.
Dieses Hotel wartet zwar nicht mit spektakulären Attraktionen auf, ist aber dennoch sehr interessant durch seine Desert Passage, in der ein vernünftiges Warenangebot zu durchaus erschwinglichen Preisen feilgeboten wird. Das Casino erscheint auch etwas gediegener als viele der anderen Spielsäle.
Man darf gespannt sein, was aus diesem Hotel wird, denn seit ca. einem Jahr steht es ja wohl unter der Obhut eines Insolvenzverwalters.
Nachmittags sind wir nochmals zum Venetian, um im Guggenheim Hermitage Museum die dortige Kunstausstellung anzuschauen. Am Venetian hängen große, stilvolle Werbefahnen, die mit Namen wie van Gogh und Picasso werben. Ich halte das für ziemlich großzügig ausgelegt, denn von beiden Künstlern hängt je genau ein(!) Bild! Da wir uns auch für die „Grand Canal Shoppes“ zwei Gutscheinhefte besorgt hatten, gab es pro Nase einen Nachlass von $ 3,-.
Im Museum selbst wurde eine kostenlose englischsprachige Führung angeboten. Ich hatte mich schon bei den ersten Worten über das ausgezeichnete Englisch des Referenten zu wundern begonnen, da ich wirklich fast alles verstand, da stellte sich unser „Guide“ auch schon vor. „I am Dr. ??? from Germany...“ Alles klar, schon wusste ich, warum ich plötzlich keine Verständigungsprobleme mehr hatte!
(Eine Frage an alle: Ich komme wirklich fast überall mit meinem Schulenglisch klar. In den USA verstehe ich aber überwiegend nur Bahnhof, was auch für das TV gilt. Haben andere die gleichen Probleme, oder liegt es doch mehr an meinen ungeschulten Ohren?)
Zum Diner waren wir gegen 20.00 Uhr im Caesars Palace. Dort wird im Cafe Lago ein sehr gutes Buffet für $ 19,99 angeboten: Diverse Pastagerichte, das unvermeidliche Prime Rib, Crab Legs, hervorragende Desserts. Wie üblich, haben wir auch hier wieder viel zu viel gegessen, aber wer kann denn ernsthaft bei all den Leckereien vernünftig bleiben?
Nachdem sich verschiedene Slots unseren Unmut zugezogen hatten, waren wir gegen 01.00 Uhr wieder im Hotel, um die letzte Nacht im Flamingo einzuläuten.
 

Vierter Tag
24.11.02


Zum Abschied vom Flamingo haben wir morgens das „Paradise Garden Brunch Buffet“ versucht. Trotz gegenteiliger Meinungen in verschiedenen anderen Boards können wir dieses Buffet sowohl von der Lokalität (Blick auf die Flamingos) als auch vom Speisenangebot her nur empfehlen. Da mir inzwischen der amerikanische Kaffe gehörig auf den Senkel ging, bin ich auf Kakao (!) umgestiegen, was zumindest hier kein Problem war. Selbst meinem Wunsch nach „No cream, please!“ wurde, wenn auch zweifelnden Blickes, entsprochen.
Bevor es ans Einräumen unserer Habseligkeiten ging, haben wir uns noch um Hotel typische Souvenirs bemüht, aber außer einer Tasse nichts uns ansprechendes gefunden.
Da erkläre mir doch einer die Logik der Amis: 3XL Figuren sind doch dort sicherlich eher die Regel als die Ausnahme, aber in den meisten Souvenir-Shops endet die Herrlichkeit bei Tee- und Poloshirts bei 2XL. Wenn ich mir über meine 110 kg ein 2XL Shirt streife, sehe ich doch aus wie eine tanzende Fleischwurst!!!  Aber gut, über die Angebotspalette sollen sich andere ihre Gedanken machen.
Da die offiziellen Check-In Zeiten ja erst ab 15.00 Uhr beginnen, sind wir zuerst ohne Gepäck quer rüber ins Bellagio, wo wir für die nächsten drei Nächte wohnen sollten.
Zwischen Sonntag und Donnerstag konnten wir dieses einfach genial zu nennende Hotel im Internet für $119 + Tax buchen, „Lake view“ inklusive! Da wir uns das Bellagio schon vor einem Jahr ausgeguckt hatten, kam dieses Angebot natürlich wie gerufen. Zum Vergleich: Für den gleichen Zeitraum wurde das Hotel in deutschen Reisekatalogen für 196 Euro/Nacht angeboten, allerdings ohne Seeblick. Der kostet normalerweise nochmals $ 50,-/Nacht extra.
Der Check-In war kein Problem. Auf meine eher beiläufig gestellte Frage, ob der Raum tatsächlich Seeblick hätte, meinte allerdings die Dame an der Rezeption, dass man den zwar zubuchen könne, aber die entsprechenden Zimmer leider ausgebucht wären. Kurze Debatte, Hinweis auf das Angebot, Rücksprache mit einer Vorgesetzten, und schon wurden uns freudestrahlend zwei Metallschlüssel (sind einfach schöner als die Plastikkarten) für das Zimmer 10022 ausgehändigt, „Enjoy your stay!“.
Wacker das Gepäck geholt, ab in die 10. Etage, und dann wurde nur noch gestaunt. Das Zimmer hat ca. 50 m², ein riesengroßes Bad, und ist wirklich nur vom Feinsten! Die Minibar ist automatisiert, d.h., wenn etwas entnommen wird, wird diese Entnahme nach einer gewissen Zeit durch einen Federmechanismus registriert und flugs der Zimmernummer belastet. Der Ausblick auf den See und das gegenüberliegende Paris mit Eiffelturm und Montgolfiere ist schon phantastisch.
Da das Wetter zu unserer guten Laune passte, sind wir dann in Badekleidung und den zum Zimmer gehörenden Bademänteln an einigen Läden und Cafes vorbei zum Poolbereich gegangen. Auf die Idee, so durch das Hotel zu stratzen, wären wir von alleine nicht gekommen, aber wir hatten beim Einzug schon einige bebademantelte Figuren gesehen, so dass wir uns einfach nur angepasst haben.
Der Poolbereich selbst ist traumhaft angelegt. Es gibt einen zentralen Pool mit wahrhaft olympischen Ausmaßen, einige kleinere sowie diverse Whirl-Pools. Da Energie ja bekanntermaßen aus der Steckdose kommt und nichts kostet, waren die Pools auf komfortable (allerdings nur geschätzte) 28° C geheizt. Nach ausgiebigem Sonnen- und Wasserbad brauchten wir dann eine Stärkung.
Im Cafe Bellagio gab es für uns ein Riesenstück New York cheese cake ($ 8), ein Classic Reuben Sandwich, gut belegt und mit Pommes serviert ($ 10), eine Tasse Kaffe und eine Cola (jeweils $ 3).
Macht zusammen mit tip und tax $ 30. Ich erwähne die Preise immer wieder ganz gerne, weil ich sie einerseits recht hoch finde, ich aber andererseits auch feststellen muß, mit welcher Leichtigkeit man bereit ist, sich „vom Dollar zu lösen“! Ich glaube, zu Hause wäre man eher nicht willens, für diesen Snack am nachmittag Euro 30,- zu zahlen.
Am späten Nachmittag wurde dann noch der Eiffelturm bezwungen, eine Fahrt, die man auf jeden Fall empfehlen kann, denn der Blick auf das Lichtermeer von Las Vegas im allgemeinen und den Strip im besonderen ist schon eine atemberaubende Sache.
Dass der „Snack“ im Bellagio doch gehaltvoller war als gedacht, wurde uns erst jetzt richtig bewußt, denn das geplante Abendbuffet fiel unseren noch gut gefüllten Bäuchen zum Opfer. Den Abend ausklingen lassen haben wir in der Bar „Le Cabaret“ im Paris, wo eine wirklich gute Band feinste Unterhaltung mit Motown-Musik bot.

Fünfter Tag
25.11.02


Da die Wetterprognosen für heute eher unangenehm waren („Mostly cloudy, light rain !“), hatte meine bessere Hälfte einen Besuch der Belz Factory Outlet geplant.
Da solche Ausflüge ja gelegentlich auch solidest haushaltende Menschen ins finanzielle Verderben führen können, war ich ob dieser düsteren Aussichten dermaßen nervös, dass ich mich bereits morgens um 05.45 Uhr an einem Black Jack Automaten einfand, um eventuell das Einkausbudget ein wenig aufzufüllen.
Das Unternehmen war ein voller Erfolg: Nach 90 Minuten konnte ich um einen Kaffee und $ 9 schwerer als vorher grünes Licht für hemmungsloses Schoppen geben.
Doch vorher wurde noch im Bally’s gefrühstückt.
Wir waren uns beide einig, dass die 20 Minuten Wartezeit sich nicht gelohnt haben. Der Speiseraum hat Null Ambiente, die angekündigten Croissants waren um 10.00 Uhr bereits nicht mehr erhältlich ( Sorry, Sir, they‘re out!), lediglich unser Waiter war seine Dollar wert.
Dennoch hebe ich es geschafft, meinem Motto gerecht zu werden: Satt? Satt kenne ich nicht. Entweder ich habe Hunger, oder mir ist schlecht! Hunger hatte ich übrigens keinen mehr!

Da wir uns unbedingt unsere vormals geplante Unterkunft, das Tropicana, anschauen wollten, sind wir mit der Monorail Richtung MGM ( auf keinen Fall mehr zu Fuß gehen als unbedingt nötig!), um von dort rüber ins „Trop“ zu huschen. Am Eingang gab es als Belohnung für einen kostenlosen Spin an irgendeiner Slot-Machine Gutscheine für das Zock-Museum von Las Vegas.
Offensichtlich gibt es aber niemanden, der den offiziellen Eintrittspreis, ich glaube $ 6,95, zahlt, denn die Coupons wollte niemand von uns sehen. Das Museum war zwar nett anzusehen, wäre aber andererseits auch keinen Eintritt wert gewesen. Interessant waren lediglich die gezeigten Videos von den Sprengungen diverser Hotels, die Platz für ihre Nachfolger machen mußten.
Dass das Tropicana ein altes Hotel ist, das mit seiner schlechten Lage am Ende des Strips zu kämpfen hat, erschließt sich dem Besucher schon nach kurzer Zeit. Selbst im Casino werden einem pausenlos Coupons für das bereits erwähnte Museum und für kostenlose Kartenspiele unter die Nase gehalten; bei Anmeldung im Player’s Club gibt es beim Erwerb von Chips im Wert von $ 20 sogar für $ 30 Freichips usw... Na ja, unsere Welt war dieser Laden auf jeden Fall nicht.

Vorm Excalibur sind wir dann in den Bus Richtung Belz gestiegen (Linie 301 oder 302, einmal umsteigen in den 303).
Das Prinzip dieser Factoty Outlets soll sein, auf der grünen Wiese Markenware diverser Anbieter relativ günstig zu vermarkten. Ob das den Tatsachen entspricht, kann ich mangels Preisvergleichen letztendlich nicht beurteilen.Auf jeden Fall brauchte meine bessere Hälfte für die ersten drei Shops geschlagene 50 Minuten, die ich, artig und treu auf sie wartend, auf diversen, in weiser Voraussicht aufgestellten Bänken verbrachte.
Die Ausbeute der Aktion „Outlet“ beschränkte sich auf ein Paar Schuhe und eine Handtasche und ein von mir aus Langeweile erworbenes Eis. Fälschlicherweise bestellte ich meine zwei „Flavour“ nicht im Becher, sondern in der Waffel. Wer sich an die Größe amerikanischer Eisportionen erinnert, kann sich leicht meine Probleme beim Kampf gegen das unbarmherzig schmelzende Eis vorstellen. Zu guter Letzt wurde ich im Food-Court noch Opfer der amerikanischen Eigenart des „Wording“, also völlig normale Dinge verbal zur Weltsensation aufzubauschen. Der von mir abschließend gekaufte Riesenbecher Cafe Latte, angekündigt als speciality, entpuppte sich als Kombination aus heißem Wasser mit Milch, der noch eine Spur braunen Farbstoffs zugefügt wurde.
Die Rückfahrt war insofern beeindruckend, als dass aufgrund der Windrichtung die zur Landung ansetzenden Flugzeuge den Las Vegas Boulevard überqueren mußten, und das sah doch ziemlich knapp aus.
In der Desert Passage wurde bei GAP in der Herrenabteilung noch eine Jeansjacke erworben, doch wenn ich schreibe, dass sie Größe „M“ hat, ist auch klar, dass sie nicht für den Schreiber dieser Zeilen bestimmt war.
In einer Bar des Aladdin war bereits gegen 17.00 Stimmung wie in einem Nachtclub. Eine Showband heizte mit südamerikanischen Rhythmen gut ein, so dass uns die Cocktails auch zu dieser frühen Stunde schon richtig gut mundeten. Der Rest des Tages wurde mit Ausruhen, bedeutungslosen Zockereien und einem weiteren Steak im Cafe St. Louis (siehe 1. Tag) verbracht.

Sechster Tag
26.11.02


Zwar haben wir unser heutiges Frühstück nicht beim Griechen, sondern im Caesars Palace eingenommen, dennoch ist es nur spartanisch, denn aufgrund der Völlerei der letzten Tage reicht uns nämlich ein Becher Kaffee, ein Kirschteilchen und ein Croissant, eingenommen im Untergeschoß des Palace, mit Aussicht auf eine Zufahrt zu ???. Da wir aber nicht gezwungen waren dort zu essen, darf ich mich aber auch über das Ambiente nicht beklagen.
Nach diesem "wundervollen" lukullischen Auftakt eilten wir froh gelaunt durch die Forum Shops, an deren Ende wir uns die erste Vorstellung, es war gerade 10.00 Uhr geworden, vom Untergang von Atlantis ansahen und anhörten. Auch wenn ich aufgrund meiner bereits geschilderten Sprachprobleme kaum ein Wort der Konferenz von Papa, Sohn und Tochter verstanden habe, reichten die wenigen Fragmente doch aus, um im Zusammenspiel mit der Aktion den ungefähren Inhalt des ganzen deutlich werden zu lassen.
Anschließend ging es dermaßen eingestimmt zum „Ride to Atlantis“, für den wir von einer freundlichen jungen Dame am „One Million Dollars Spin“ im Caesars einige Tage zuvor eine Einladung für zwei Personen geschenkt bekommen hatten.
Die Simulation war wirklich ganz nett, man wurde ordentlich durchgeschüttelt, so dass ich mich nur beglückwünschen konnte, nicht wieder wie der berühmte Scheunendrescher gefuttert zu haben.
Der Sollpreis, immerhin $ 10 pro Nase, ist nach meiner Meinung aber für den knapp 7-minütigen Ritt nicht gerechtfertigt. Wenn man weiß, was man für ca. $ 50 in Orlando in den diversen Themenparks geboten bekommt, empfindet man die meisten Thrills am Strip doch als arg teuer, wie z.B. auch die Achterbahn im N.Y.N.Y., oder auch das Hairiff im Mandalay Bay usw.

Der heutige Tag entwickelte sich zum „Indoor-Day“, denn auf Atlantis folgte Venedig, diesmal in Form von Mme. Tussaud und ihrem Wachsfigurenkabinett. Eine runde Sache, über die es aber nichts zu berichten gibt.
Aufgrund des quasi nicht stattgefunden habenden Frühstückes wurde dann im Food-Court des Venetian geluncht: Für den Herrn der Schöpfung gab es eine halbe China-Platte und eine Eis-Kreation aus dem Hause Hägen Däzz, ich glaube sie hieß Banana Split Dazzler, für den weiblichen Gegenpart ein Stück Pizza und die andere halbe Platte. Zu Fuß weiter Richtung Westward Ho, wo wir vor einem Jahr so manche Stunde mit unserer „bezaubernden Jeannie“ verbracht haben.
Unterwegs wurde bei Walgreens haltgemacht, galt es doch für die ältere Verwandtschaft zu Hause Vitamintabletten zu erwerben, die in Deutschland entweder nicht auf dem freien Markt oder nur zu ungleich höheren Preisen erhältlich sind.
Im „Ho“ lief unsere Jeannie wieder zur Höchstform auf. Ich möchte mich nur ungern Macho schimpfen lassen, aber ihr betörendes „Good luck, Master!“ habe ich doch gerne gehört, gesteigert wurde es nur noch vom leider zu seltenen „Master! You’re a winner!“
Immerhin waren wir hier nach langer Durststrecke endlich mal wieder mit 30 Bucks vorne!
Die hiesigen Cocktail-Waitresses waren auch recht fleißig, so dass wir nach geraumer Zeit beschwingt Richtung Bellagio zurückwanderten. Apropos Cocktail-Waitresses: Schaut man sich die Damen in den verschiedenen Läden an, kann man leicht zu dem Schluß kommen, dass sie mit fortschreitendem Alter von Casino zu Casino weitergereicht werden. In den Megaresorts habe ich nämlich solche, ja wie soll ich es sagen, „reifen und erfahrenen“ Bring-Mädels wie eben im Ho oder auch den anderen einfachen Casinos nicht gesehen.

Unterwegs zurück haben wir uns im Imperial Palace die Autosammlung angesehen (auch hierfür gab es Freikarten, der Eintritt von knapp $ 6 hätte sich hier allerdings gelohnt!). Das teuerste Schmuckstück, ein Düsenberg von was-weiß-ich, sollte $ 1.950.000 kosten. Leider hatten es die Aussteller versäumt, neben den Autos einige Slots aufzubauen, vielleicht hätten sie dann einen größeren Absatz (Immerhin weisen Schilder darauf hin, dass jedes ausgestellte Modell verkäuflich wäre!). Laut Reiseführer soll dort auch die Staatskarosse eines bekannten österreichischen Malers und Anstreichers ausgestellt sein, die haben wir jedoch nicht zu Gesicht bekommen.

Nach langen Stunden auf Schusters Rappen haben wir am späten Nachmittag im Bellagio in der Petrossian Bar je zwei Bier getrunken, für die unsere Waitress Richilda $ 22 kassierte und obendrein fürs Bringen mit weiteren $ 4 „belohnt“ wurde. Meine zuvor gestellte Frage nach einigen „peanuts“ schien Richilda ordentlich zu irritieren. Statt dessen bot sie uns an, „the menu“ zu bringen. Nachdem ich dieses großzügige Angebot aber dankend ablehnte und nochmals um „just a few peanuts“ bat, zog Richilda mit einem milde gehauchten „No Sir, we don’t have!“ ab. Beim Verlassen des Etablissements fiel mein Blick zufällig auf die Werbetafel. Dort konnte ich unter dem Namen „Petrossian“ noch die Ergänzung „Caviar Bar“ erkennen. Vielleicht hätte ich nach Eiern vom Stör fragen sollen....
Aufgrund der anhaltenden Sättigkeitsgefühls nach Lunch, Cocktails und Bieren wurde das geplante Buffet in unserer Residenz gestrichen.
Die Mäuse, die wir uns im Ho abgeholt haben, wurden an die entsprechenden Automaten im Bellagio zurückgegeben, schließlich sollte auch unsere MGM Mirage Player’s Card (das B. gehört auch zu dieser Gruppe) ein wenig bepunktet werden.
Irgendwann ging es aber auch an diesem Tag ins Bett, was übrigens im Bellagio spät nachmittags von einem guten Geist aufgeschlagen wird, damit der Gast sich nicht auch noch mit dem Zur-Seite-Räumen der schweren Tagesdecke abrackern muß.
Was wird der nächste Tag außer einem erneuten Umzug noch bringen?

Siebter Tag
27.11.2002


Zunächst einmal brachte er ein erneutes Frühstück, und zwar nochmals im Flamingo. Wer von den Lesern inzwischen der Meinung ist, dass das Thema „Nahrungsaufnahme“ und die Planung/Organisation derselben eine immens große Bedeutung bei uns besitzt, liegt nicht völlig daneben, denn: Manche Dinge im Leben wiederholen sich zwar, Spaß machen sie dennoch!!!
Bevor es nach dem Frühstück ans Packen der „sieben Sachen“ ging, wurde im Bellagio noch ordentlich eingekauft Mangels nennenswerter Erfolge bei Jeannie und Co. beschränkten sich unsere Souvenirs statt der erhofften Stücke von Armani, Brioni (ja, ja, des Kanzlers feine Kleider kann man auch „drüben“ erwerben!) und Gucci auf je ein Sweat für Madame und ein Tee für Monsieur. Unbedingt zu erwähnen ist die Tatsache, dass es in dem Laden „O“ tatsächlich das Tee in 3XL gab. Wow!!!
Für L.V. Neulinge sollte hinzugefügt werden, dass es in diesem Souvenirladen um die Show „O“ geht, nicht um die “Geschichte der O“!
Unser Abschied vom Bellagio war mit einer Spur Wehmut verbunden. Diese Unterkunft war die mit Abstand schönste und luxuriöseste, die ich in meinem Leben bislang bewohnt hatte, und da waren nicht nur Jugendherbergen darunter!
Der Hotelangestellte, dessen Job an der Hotelvorfahrt nur daraus besteht, die Taxis heran zu winken, die auch ohne sein Dazutun vorgefahren kämen, wurde für seine tolle Dienstleistung und den ausgesprochenen Wunsch, wir möchten einen großartigen Tag haben, mit einem Dollar belohnt.
Ach ja, außerdem informierte er den Fahrer über unser Fahrziel, nach welchem er sich vorher bei uns erkundigt hatte. Der Fahrer indes schien dem Braten nicht so recht zu trauen, denn er verlangte eine Bestätigung dieser Information: Hey you folks, you wanna go to the Luxor? – Ich kann mir nicht helfen, aber auf die Anrede „folks“, die ja durchaus normal und nicht im geringsten ehrenrührig ist, reagiere ich immer noch mit innerer Verwunderung!
Am Luxor angekommen wechselten die nächsten Scheine den Besitzer: Fare $8,90, Tip $1,60 (Driver), Tip $ 2 (Page)
An der Rezeption wurde uns mitgeteilt, dass unsere Reservierung storniert sei, aber da wir nun offensichtlich doch erschienen wären, ginge es auch in Ordnung! Anmerkung: Wir hatten unsere erste Reservierung storniert, sofort neu gebucht und zahlten nun $ 59/59/99 statt $ 69/99/149.
Aufgrund diverser Infos hatten wir uns für ein Towerzimmer entschieden, da diese größer sein sollen als die Pyramidenzimmer, außerdem haben sie neben der Dusche noch eine Badewanne.
Das Zimmer/Badezimmer ist sehr geräumig und gepflegt, erreicht aber natürlich nicht de Standard eines gewissen anderen Hotels, dessen Namen ich jetzt nicht mehr erwähnen möchte (Schluchz!)!
Nachdem wir weitere zwei Dollar getippt hatten, wünschte uns die KofferbringDAME ebenfalls „ A great day“.
Das Luxor-Buffet ist sicherlich nicht so mies, wie es in manchen Besprechungen beschrieben wird, allerdings würde ich es nicht besuchen, wenn ich nicht gerade im Hotel selbst wohnen würde.
Abends ging es dann zur Fremont Street:
In Unkenntnis der Tatsache, dass die berühmten Lightshows erst abends abgehen, hatten wir uns ein Jahr zuvor Fremont Street tagsüber „angetan“. Öde ist noch gestrunzt! Diesmal waren wir rechtzeitig, also erst nach 20.00 Uhr da, so dass wir 2 Shows genießen durften..
Es ist beeindruckend, was mit diesen ungezählten Leuchten alles machen kann.
Dazu kommt der sensationelle Sound ist, doch sehr zu meinem Verdruß (aber zur Freude meiner Gemahlin!), stellte eine Show ein Disco-Revival der 70er dar, die andere sprach mehr den amerikanischen Nationalstolz an: Springsteen (Born in the U.S.A.) aus den Lautsprechern, das Sternenbanner über sich, da war der Ami begeistert!
Ich frage mich, wie man bei uns wohl auf erwachsene Menschen reagieren würde, die Tees mit der Aufschrift „Gott schütze Deutschland!“ tragen würden. Ich möchte hier keinesfalls politisieren (Ehrenwort!!!), aber ein wenig mehr Zurückhaltung fände ich nicht sehr unsympathisch!

Wer hauptsächlich wegen der Zockerei nach L.V. kommt, sollte evtl. den Aufenthalt in Downtown dem Strip vorziehen. Das Leben scheint hier günstiger zu sein, im Golden Nugget beispielsweise gab es Budweiser vom Fass für nur $ 2, und die Slots 'sollen' auch etwas spendabler sein als ihre Kollegen! Ob das stimmt, weiß ich nicht.

  

Achter Tag
28.11.02


Dieser Tag begann für uns gegen 02.30 Uhr. Durch fröhliche Kinderstimmchen wurden wir geweckt.
Irgendwie schienen die dazugehörigen Nachwuchszocker in unser Zimmer gekommen sein. Augen auf, doch wir waren allein, nur begleitet von diesen nicht zu ortenden Stimmen. Ab auf den Hotelflur, doch der war menschenleer.
Des Rätsels Lösung war einfach: Ins Zimmer nebenan zogen Thanksgivingday-Reisende ein, und durch die zwar abschliessbare (und abgeschlossene!), doch ungemein hellhörige Verbindungstür wurden wir akustische Zeugen der Nörgeleien des kleinen Jack. Nach zwei oder auch sieben freundlichen Klopfsignalen meiner lieben Frau gegen die uns trennende Tür ordnete Mrs. Miller (?) aber für ihre beiden Rangen (Jack schien noch ein Schwesterchen zu haben) Bettruhe an.
Amerikanische Kleinkinder scheinen noch Respekt vor den Eltern zu haben, denn fortan war Ruhe.
Nach Beendigung des zweiten Teils der Nachtruhe sind wir ins MGM, um dort etwas zu uns zu nehmen.
Hier hatten wir dann den ersten Kontakt mit „Starbucks“, einer Art Fast-Food-Kette für Kaffee. Ich habe gelesen, dass dieser McDonalds für Getränke auch in Deutschland Filialen eröffnen will. Da wir auf dem Lande (zumindest aber in der Provinz: Dortmund) leben, wo es diese Einrichtung noch nicht gibt, kann ich diese Aussage aber nicht bestätigen.
Auf jeden Fall war dieser Starbucks eine wunderbare Gelegenheit für mich, meine Theorie zu untermauern, dass der Ami zwar Kaffee kochen könnte, wenn er denn wollte, aber wie gesagt: wenn er denn wollte !!!
Auf jeden Fall gesellten sich zu dem großen Milchkaffee Baguettes und Croissants, und es war gut so...
Aus Dankbarkeit gegenüber dem MGM, und verleitet vom Sparinstinkt („Sale! 25 % off!“) wurde ordentlich bei Marshall Rousso geshoppt. Kreditkarten sind einfach herrlich!!!
Zur Feier des Tages wollten wir im Bellagio lunchen. Die gleiche Idee hatten aber außer uns noch ca. 982 andere Besucher von L.V., so dass die geschätzte Wartezeit bis zur Kasse (!), vom „Auf-das-plaziert-werden-Warten“ ganz abgesehen, bestimmt 90 Minuten betragen hätte. Beim Buffet des Paris sah es ähnlich aus, so dass wir schlußendlich nochmals im Cafe Lago des Caesars Palace landeten. Die Wartezeit hier betrug nur eine knappe Viertelstunde, das Buffet war exakt das gleiche wie vor einigen Tagen und wurde, im Gegensatz zu seinen Vettern vom Bellagio und Paris, ohne Feiertagszuschlag angeboten.
Der Rückweg ins Luxor führte uns durch das Monte Carlo und das N.Y.N.Y. Was uns bereits morgens aufgefallen ist: Heute scheinen die bislang eher unauffälligen Sicherheitsmaßnahmen verstärkt worden zu sein: Das New York New York wird ständig von Polizisten aus einem gegenüber geparkten Auto beobachtet, uns fallen aber auch Menschen auf, die wie normale Touristen aussehen, aber einen kleinen Mann im Ohr haben und mit Ihrem Hemdkragen sprechen!
An der Umzäunung der Manhattan-Bay vor dem N.Y.N.Y hängen zahlreiche T-Shirts, die von Angehörigen, Freunden und Feuerwachen aus den ganzen U.S.A. dort abgelegt wurden, um an die Toten des 11.9. zu erinnern. Einem vor diesem Zaun aufgestellten Plakat zufolge will man aus diesem spontanen Solidaritätsbeweis eine dauerhafte Einrichtung machen und bittet um Spenden für eine Erinnerungsstätte.

In einige Automaten werden noch diverse Quarterstücke und Dollarnoten eingeführt, es gibt noch einen Absacker, und dieser Tag endet für uns so, wie er begonnen hat. Der kleine Jack von nebenan streitet schon wieder, oder immer noch(?) mit seiner Schwester. Wir beginnen, uns lautstark zu unterhalten, und auch diesmal wird es ruhiger, so dass wir einmal mehr todmüde, aber erschlagen von all den Eindrücken, in einen tiefen Schaf fallen.

Neunter Tag
29.11.02


Unser (vorerst) letzter Tag in Las Vegas, gleichzeitig das Wiegenfest meiner Angetrauten, über den zu berichten sich so toll gar nicht lohnt.
Nochmals bei Starbucks gefrühstückt, anschließend das Coca-Cola Haus besucht, ein bißchen gebummelt, und dann sind wir gegen frühen Nachmittag bereits zurück zum Luxor, um die Koffer vorzupacken.
Anschließend haben wir uns beide so richtig „schick gemacht“, d.h. mit Krawatte und Jackett bzw. entsprechendem Outfit für die Dame.
Für 20.00 Uhr hatten wir einen Tisch im Steakhaus „Les Artistes“ im Paris reserviert, weil wir zur Feier des Tages mal an einem richtig gedeckten Tisch mit Tischdecke und Bedienung speisen wollten.
Um es kurz zu machen: So doll war das nicht.
Für einen Caesars Salat, ein kleines Filetsteak, ein Rumpsteak (nur in einer Größe erhältlich, 16 oz.= 450 gr.), eine Portion Crème brûlée, eine Flasche Perrier und zwei Bier wurden knapp $ 125 auf der Rechnung ausgewiesen, also mit Tip waren es $ 145, die den Besitzer wechselten.
Ich muß gestehen, dass das nicht das Niveau ist, auf dem sich unsere Ausgaben fürs Essen-Gehen in Deutschland bewegen.
Anschließend haben wir uns „O“ gegönnt. Die Karten hatten wir knapp 3 Monate im voraus über das Internet gebucht und bereits einige Tage zuvor abgeholt. Zur Identifikation bei der Abholung reichte der Ausdruck der Bestätigung nicht aus. Ich mußte sowohl meine Kreditkarte als auch ein ID-Papier vorzeigen.
Das Theater ist ziemlich großzügig angelegt, so dass man schon wegen der gewährten Beinfreiheit und komfortablen Sitze einen gewissen Wohlfühleffekt verspürt
Die Show selbst ist phantastisch. Während der ersten Minuten dachte ich zwar, dass man sich Zirkus auch zu Hause ansehen könne, aber schon schnell war man von der Dynamik der Aufführung, dem sich ständig wechselnden Bühnenbild, der Harmonie von Musik und Darstellung so gefesselt, dass einem der Atem stockt. Trotz intensivster Bemühungen will es einem nicht gelingen, die Detailvielfalt mit den Augen zu beherrschen. Immer wieder fragt man sich, wo denn nun der eine Darsteller herkommt und der andere geblieben ist.

Kurz nach 24 Uhr war die Show zu Ende, und somit auch unser Urlaub in Las Vegas 2002!


Schlußbemerkung:
Der Shuttleservice brachte uns am nächsten Morgen um 06.00 zum Flughafen, von wo aus es planmäßig über Washington zurück nach Düsseldorf ging.
Die Wartezeit bis zum Abflug kann man noch wunderbar nutzen, um in den Souvenirläden der Hotels die vorletzten Dollars auszugeben. Die wirklich letzten Dollars aber sind bestimmt für die Slots, doch aufgepasst: Es soll Leute geben, die bloß wegen eines „Jackpots“ den Abflug verpasst haben...

Während des Schreibens an meinem kleinen Tagebuch habe ich merken müssen, wie schwierig es ist, die Erlebnisse eines jeden Tages halbwegs interessant wiederzugeben. Den Reaktionen nach darf ich allerdings hoffen, dass es mir zumindest für die ersten Tagen in etwa gelungen ist.

So sage ich für jetzt vielen Dank für Ihr und Euer Interesse, vielleicht gibt es in 2004 eine Neuauflage?

Der VegasMan

 


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